Präanalytik
1. Material zur Probenentnahme / Probentransport
2. Kennzeichnung von Proben
3. Anforderungsscheine
4. Allgemeine Hinweise zur Gewinnung von Probenmaterial
5. Untersuchungsmaterial für die Gerinnungsdiagnostik
6. Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Methoden
7. Hinweise zur Anforderung von immunhämatologischen Untersuchungen
8. Informationen zur Messunsicherheit
9. Ausnahmeziffern / Hinweise zur Abrechnung
1. Material zur Probenentnahme / Probentransport
Informationen über das erforderliche Material (Menge und Art) für die einzelnen Testparameter sind unserem Leistungsverzeichnis zu entnehmen. Hinweise zu Probenart und -menge für die hämostaseologische Basisdiagnostik sind dem Kapitel "Untersuchungsmaterial für die Gerinnungsdiagnostik" zu entnehmen.
Auf Ihre Veranlassung hin werden Ihnen Probenröhrchen und Anforderungsscheine zur Verfügung gestellt; für den Postversand erhalten Sie von uns spezielles von der Post zugelassenes Versandmaterial (auch für den Versand von tiefgefrorenem Material). Achten Sie beim Versand von Proben, insbesondere über das Wochenende, dass die Stabilität der Parameter nicht gefährdet wird.
Oft ist es nicht möglich, die Proben für Gerinnungsdiagnostik mit der Post zu versenden, da diverse Parameter instabil sind (siehe unten).
In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, den Patienten in unsere Praxis zu überweisen oder alternativ die Proben durch unseren Fahrdienst (im Umkreis von 50 km) transportieren zu lassen.
Die telefonische Anmeldung der gewünschten Fahrt muss mindesten 24 h vorher erfolgen, da unser Fahrdienst keine feste Route fährt und die Fahrten täglich nach Bedarf zusammengestellt werden.
Anmeldungen für den Fahrdienst:
0203 / 300 98 - 85 87
Folgende Parameter sind stabil und die Versendung mit der Post ist möglich:
EDTA-Blut für molekularbiologische Untersuchungen (Mutationen):
- Faktor-V-Mutation Leiden G1691A
- Fettstoffwechsel-Polymorphismen: z. B. Apo E, APO B100 etc.
- Kollagenrezeptor 807CT
- MTHFR-Mutation C677T
- PAI-1-Gentoypisierung
- Plättchen-Polymorphismen HPA
- Prothrombin-Mutation G20210A
- andere Genotypisierungen
Antikörper-Untersuchungen (Citratblut oder -plasma):
- Antikörper gegen Heparin-Plättchenfaktor-4-Komplex (HIPA/HPIA)
- Antiphospholipid-AK
- freie und geb. plättchenspezifische Antikörper etc.
stabile Gerinnungsfaktoren und Antikoagulatoren (Citratblut oder -plasma)
(max. 2 Tage):
- alpha2-Antiplasmin
- Antithrombin
- Faktor II (Prothrombin)
- Faktor X
- Faktor XII
- Faktor XIII
- Faktor IX
- Faktor XI
- Fibrinogen
- Lupus-Antikoagulans
- Protein C
- Von Willebrand-Faktor-Aktivität
- Von Willebrand-Faktor-Antigen
- Von Willebrand-Faktor-Collagenbindungsfähigkeit
- Von Willebrand-Faktor-Multimere
Aktivitätsmarker der Gerinnung und Fibrinolyse:
- D-Dimere
- Prothrombinfragment 1.2
- TAT-Komplex
Klinische Chemie
Blutbild
Homocystein (Citrat-Plasma muss innerhalb von 2 Stunden vom Blut getrennt sein, dann Plasma verschicken, dies ist stabil. Alternativ: Abnahme im Heparin-Fluorid-Röhrchen, ggf. anfordern!)
Instabile Parameter (Postversand nur als gefrorenes Citratplasma):
- Faktor V
- Faktor VII
- Faktor VIII
- Plasminogen
- Plasminogen-Aktivator Inhibitor PAI 1
- Protein S
- t-PA
Instabile Parameter (kein Postversand möglich):
Durchflusscytometrische Thrombozytenuntersuchungen (Citratvollblut)
Thrombozytenfunktionsanalyse (Citratvollblut)
Genauere Informationen zu Probenentnahme und Material entnehmen Sie bitte dem Leistungsverzeichnis oder erfragen Sie diese im Gerinnungslabor unter 0203 / 300 98 82!
2. Kennzeichnung von Proben
Jedes Probengefäß (nicht das Transportbehältnis) muss mit Vor- und Zuname sowie Geburtsdatum des Patienten beschriftet werden. Um die Verwechslungsgefahr zu verringern, sollte die Beschriftung des Probengefäßes vor der Entnahme erfolgen und nach der Probennahme nochmals kontrolliert werden.
Zusätzlich soll das Datum und der Abnahmezeitpunkt vermerkt werden. Dies ist bei immunhämatologischen Untersuchungen zwingend vorgeschrieben und bei der Gerinnungsdiagnostik (instabile Parameter) zur Interpretation der Testergebnisse unerlässlich!
3. Anforderungsscheine
Für eine korrekte und umfassende Befunderstellung sollten Anforderungsscheine folgende Angaben enthalten:
- Vor-, Nachname, Geburtsdatum und Geschlecht des Patienten
- eindeutiger Untersuchungsauftrag / eindeutige Fragestellung
- Art der Primärprobe, Datum und Uhrzeit der Probennahme
- Angaben zur Diagnose, bzw. Verdachtsdiagnose / Fragestellung, Anamnese, Medikation, Verweis auf Vorbefunde, ect.
- komplette Einsenderangaben (Praxis / Klinik, Station, Abteilung)
- Unterschrift des Arztes
- bei Privatpatienten: komplette Adresse Nur mit korrekt ausgefüllten Anforderungsscheinen ist sichergestellt, dass ausschließlich gewünschte Parameter durchgeführt werden und die richtige Interpretation einschließlich eventueller Empfehlungen erfolgt.
4. Allgemeine Hinweise zur Gewinnung von Probenmaterial
Führen Sie die Blutabnahme nicht mit zu feinen Kanülen durch, bei Erwachsenen nicht kleiner als Nr. 12. Ein zu geringer Kanülendurchmesser oder ein zu starker Unterdruck bei der Blutentnahme kann zu einer Hämolyse und damit zu Störungen bei der Testdurchführung führen.
Unabhängig von den im Leistungsverzeichnis angegebenen Mengen sollten Röhrchen mit Zusätzen, wie z.B. Antikoagulantien korrekt gefüllt sein, um ein exaktes Mischungsverhältnis zu erhalten.
Bei der Abnahme von mehreren Röhrchen wird zur Vermeidung von Kontaminationen folgende Reihenfolge empfohlen:
- Blutkultur
- Serum (bei der Verwendung des Serumröhrchens als erstem Röhrchen ist mit dem Anstieg einiger Analyte durch zelluläre Bestandteile zu rechnen)
- Citrat
- Heparinat
- EDTA
- Röhrchen mit zusätzlichen Stabilisatoren Eine ausreichende Mischung mit dem Antikoagulans ist durch mehrmaliges Schwenken ohne Schütteln unter Vermeidung von Schaumbildung direkt nach Füllung des Röhrchen zu sichern.
5. Untersuchungsmaterial für die Gerinnungsdiagnostik
Abklärung einer hämorrhagischen Diathese (Basisdiagnostik):
Differentialblutbild, Thrombozytenfunktionsteste, thrombozytäre Glykoproteine mit Rezeptorfunktion, von Willebrand-assoziierte Faktoren einschl. Multimere, Fibrinbildung und -vernetzung, Fibrinolyse und ggf. weitere
Abklärung einer thrombophilen Diathese (Basisdiagnostik):
Faktor-V-Leiden, Prothrombin-Mutation G20210A, Antithrombin, Protein C und S, Antiphospholipid-Antikörper, Homocystein, ggf. MTHFR-Mutation C677T, Lipoprotein (a), thrombozytäre Hyperaggregabilität, ggf. Einzelfaktoren, ggf. Aktivitätsparameter der gerinnung und Fibrinolyse, PAI 1, ggf. Antiplasmin und Plasminogen, ggf. Lipide und HbA1c
Wichtige Anmerkung:
Die Abklärung einer thrombophilen Diathese ist unter Heparin problemlos möglich. Auch unter Marcumar® können nahezu alle Parameter untersucht werden, Ausnahme: Protein C und Protein S, da diese Vitamin K-abhängig sind!
Aspirin® bzw. Plavix® /Iscover® und Diclofenac® stören lediglich die Untersuchung zur Frage einer thrombozytären Funktionsstörung, hier sollte der Thrombozytenaggregationshemmer ggf. 10 Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.
Ausnahme: Falls die Wirkung von ASS oder Clopidogrel überprüft werden soll, muss die Medikation natürlich beibehalten werden!
Für eine Komplettabklärung (hämorrhagische / thrombophile Diathese) benötigen wir folgendes Probenmaterial:
- 4 x 5 ml Citratblut
- 2 x 3 ml EDTA-Blut
- 1 x 10 ml Nativblut!
Bitte beachten Sie die speziellen Hinweise im Kapitel 1 "Probentransport" für die Gerinnungsdiagnostik!
6. Untersuchungsmaterial für molekularbiologische Methoden
Für molekularbiologische Untersuchungen sollten originalverschlossene Probenröhrchen eingesandt werden (wegen Vermeidung einer Kontamination). Für molekularbiologische Untersuchungen kein Heparinblut einsenden (mögliche Hemmung der PCR), besser EDTA- oder Citrat-Vollblut. Untersuchungsmaterial siehe auch Leistungsverzeichnis!
7. Hinweise zur Anforderung von immunhämatologischen Untersuchungen
"Haltbarkeit" einer serologischen Verträglichkeitsprobe:
Gemäss den Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie):2005, Kapitel 4.2.5.9:
Um transfusionsrelevante Antikörper infolge einer Sensibilisierung nach Transfusionen und Schwangerschaften innerhalb der letzten drei Monate (auch bei einer fraglichen Transfusions- und Schwangerschaftsanamnese) zu erfassen, ist die serologische Verträglichkeitsuntersuchung für weitere Transfusionen nach spätestens 3 Tagen mit einer frisch entnommenen Empfängerprobe erneut durchzuführen. Dies gilt auch für vorher bereits verträglich befundete Erythrozytenkonzentrate.
Warmblut:
Blut in vorgewärmten Röhrchen (Monovette) abnehmen:
- bei 37 °C im Brutschrank oder Wasserbad lagern, im wassergefüllten Wärmebehälter (37 °C) vom Fahrdienst ins Labor bringen lassen -oder-
- bei 37 °C im Brutschrank oder Wasserbad gerinnen lassen, das Serum abpipettieren und ins Labor schicken -oder-
- Blutentnahme in unserer Praxis
8. Informationen zur Messunsicherheit
Die Genauigkeit unserer Ergebnisse wird durch die Messunsicherheit dargestellt. Bei quantitativen Parametern stellen wir Ihnen auf Anfrage gern nähere Angaben zur Messunsicherheit (Variationskoeffizient) der internen Qualitätskontrolle zur Verfügung.
9. Ausnahmeziffern / Hinweise zur Abrechnung
EBM 32010
Genetisch bedingte Erkrankungen oder Verdacht auf diese Erkrankungen, sofern molekulargenetische oder molekularpathologische Untersuchungen nach der Nrn. 11310 bis 11312, 11320 bis 11322, 32850 bis 32852 und 32855, 32856 und 32857 durchgeführt werden.
EBM 32011
Therapiepflichtige hämolytische Anämie, Diagnostik und Therapie der hereditären Thrombophilie, des Antiphospholipidsyndroms oder der Hämophilie.
EBM 32015
Orale Antikoagulanzientherapie
Stand vom 30.05.2008
EHEC
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